
fleißige Terminologieanalyse ohne tiefergehendes Ergebnis - Wie es Peter Fuchs - einer der wohl prominetesten, aber wohl auch umstrittensten Vertreter der luhmannschen Systemtheorie - im Vorwort schreibt, besticht dieses Buch von Dominik Paß durch eine detaillierte Analyse, die sich auf fast 500 Seiten ausbreitet. Es wird vor allem mit Hilfe der Laws of Form von George Spencer-Brown die Bewusstseinproblematik entfaltet, um sie dann mit der derridaschen Dekonstruktion zu verschmelzen: Resultat der Analyse ist: Das Psychische System ist keine Identität, sondern eine Differenz, die ständig sich selbst hinterherläuft. Zweites Ergebnis ist: Das Bewusstsein hat keine klare Grenze, sondern ist immer sowohl innen als auch Außenseite, was in Abgrenzung zur husserlschen Itentionalität entwickelt wird. An dieser Stelle wird die Parallele zu Derrida gesucht. Gegen diese Ergebnisse lässt sich nicht einwenden, gerade im Rahmen der neueren Systemtheorie (Dirk Baecker, Fritz B. Simon, Christian Weiß, letztere legt mit Form und Information allerdings eine wesentlich tiefergehende, fundiertere und weiterführende Analyse vor) zeichnet sich dies ab. Allerdings will Paß mit seiner Analyse kaum enden, was letzlich vor allem den Eindruck erweckt, eine systemtheoreitische Ontologie zu entwickeln. Dies wehrt Paß zwar ständig ab, seine Redeweise aber verheißt, dass er von abgeschlosssenen psychsichen Systemen spricht, auch wenn er am Ende zu dem oben genannten Ergebnis kommt. Dies mag vor allem daran liegen, dass er die von Luhmann vorgegebenen Entitäten detailliert analysiert und diesen somit vermeintlich einen SEinsgehalt zuspricht, sie aber erst zum Schluss nach ca. 300 Seiten dekonstruiert, Redeweise und Inhalt passen hier also nicht zusammen. Hier hat man den Eindruck, dass sich der systmetheoretische Eifer in eine gewisse terminologische (Selbst-)Verliebtheit umschlägt, die auch schon Peter Fuchs im Vorwort bei sich selbst aufspürt, es aber dennoch für gut hält, solche detaillierten Analysen zu verfertigen. Kurz gesagt: Die Ergebnisse sind gut, sind aber überwiegend bereits bei Luhmann selbst formuliert und hätten somit auf 20 Seiten dargestellt werden können. Anzumerken in Bezug auf die Theoriebildung bleibt, dass oft viele wichtige Veröffentlichungen nicht zur Kenntnis genommen wurden (gerade in Bezug auf die Laws of Form hätte die wohl wichtigste Veröffentlichung von Varela: Principles of biological Autonomy einbezogen werden müssen), dies mag daran liegen, dass der Veröffentlichungstermin (2006) fünf Jahre nach Abschluss der Dissertation liegt (dies gilt allerdings nicht für Varela), dennoch hätte hier mehr geleistet werden können (gerade, wenn die Analyse von Weiß einbezogen woren wäre). Auch für eine Kunsttheorie waren zu der Entsteheungszeit vor allem von Hans Dieter Huber einige wichtige Veröffentlichungen vohanden, die nicht einbezogen werden. Diese Einschränkungen finden sich ebenso und besonders eklatant in der Aalyse der elektronischen Musik im zweiten Teil des Buches wieder. Diese fällt deutlich zu kurz und deutlich zu kybernetisch aus. Es werden einfachste Grundannahmen, kompliziert über die Kybernetik hergeleitet und auf die Clicks and Cuts Musik angewendet. Hierbei werden lediglich Literaturen berücksichtigt, die im näheren Kreise dieser Musik entstanden ist, neben den wichtigen Theoretikern wie Komponisten (allen voran Stockhausen) vermisst man wichtige musiktheoretische Schriften wie die Adornos. Damit bleibt die Analyse der elektronischen Musik allenfalls schlaglichtartig und hat kaum Erkenntniswert, der nicht schon an anderer Stelle wesentlich tiefergehender formuliert worden wäre. Das zweiseitige Eingehen auf Break- und Speedcore rundet dieses Bild ab. Es wirkt hier vor allem so, als wolle der Autor zeigen, dass er in der Entwicklung der (populärer-experimentellen)elektronischen Musik up-to-date ist.Fazit: Dieses Buch hätte sich für einen 20-seitiger Artikel in einer Fachzeitschrift besser geeignet, als Buch ist die Analyse überwiegend anstregend und wenig ergiebig, gerade für denjenigen, der sich mit luhmannscher Systemtheorie auskennt, derjenige der einen Einstieg sucht wird wohl kaum einen Zugang finden.